Archiv / 2012

Ausstellung 
Paul McCarthy. The Box 

06. Juli 2012 - 04. November 2012, Neue Nationalgalerie, Berlin (D)

Die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie zeigt eines der Schlüsselwerke des Künstlers: eine überdimensionale Holz-Box, in die McCarthy sein gesamtes Atelier, d.h. den Ort des Schaffens und der Kunstwerkproduktion, eingebaut hat. In der äußeren Gestaltung so unscheinbar wie eine einfache Transportkiste, zeigt die Installation im Inneren eine verblüffende Vielfalt an Dingen, die auf McCarthy selbst wie auch sein umfangreiches Werk von den Anfängen bis heute verweisen.

Die Box mit den über 3.000 befestigten Objekten des Ateliers - Tische, Geräte, Werkzeuge oder Kisten - ist dabei um 90 Grad gekippt, so dass es zu einem fast surrealen Raumerlebnis kommt. Dieses knüpft an die radikalen Performances des Künstlers an und eröffnet neue Perspektiven auf den besonderen Ort des Ateliers.


Als einziges Werk in der offenen, großen Halle ausgestellt, kommt "The Box" besondere Bedeutung zu. Die Enge des Studios - der Privatraum - trifft auf die Weite des Umraumes - den öffentlichen Raum. Zugleich tritt das Werk im Gebäude der Neuen Nationalgalerie in Bezug zur Sammlung, die im Untergeschoss zu sehen ist. Konkrete Anknüpfungspunkte lassen sich etwa zur ausgestellten Assemblage-Kultur der 1960er Jahre finden (Daniel Spoerris "Fallenbild") oder zu Bruce Naumans frühen Studio-Videos ("Bouncing in the Corner"). Der Blick ins Atelier - ein immer wiederkehrendes Thema der Moderne - wird in der Version von Paul McCarthy zum Porträt eines schonungslosen Künstlers, der bereit ist, alles offen zu legen.

Ausstellung
Architektonika

15. September 2011 - 13. Januar 2013, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)

Die thematische Sammlungspräsentation zeigt, wie vielfältig bildende Künstlerinnen und Künstler seit den 1960er Jahren an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur gearbeitet haben: Die Skulpturen, Bildräume und Raumkonstruktionen der bildenden Kunst greifen architektonische Formen auf, und sie reflektieren und kommentieren gängige Praktiken in der Gestaltung von Gebäuden und urbanen Räumen.

In den Vordergrund treten die plastischen und bildhaften Qualitäten von architektonischen Strukturen, ohne dass soziale und ökonomische Implikationen der gebauten Welt aus dem Blick geraten. Es werden imaginäre Räume eröffnet oder Erinnerungen an bekannte Bauten und inzwischen historisch gewordene Zukunftsvisionen geweckt.
Gezeigt werden Werke von Absalon, Jürgen Albrecht, Carl Andre, Sophie Calle, Nina Fischer & Maroan el Sani, Peter Fischli / David Weiss, Thomas Florschuetz, Isa Genzken, Dan Graham, Mika Taanila, Rachel Khedoori, Sol LeWitt, Gordon Matta-Clark, Bruce Nauman, Manfred Pernice, Andrea Pichl, Ascan Pinckernelle, Hermann Pitz, Dieter Roth & Björn Roth, Jason Rhoades, Anri Sala, Thomas Schütte, Thomas Struth, James Turrell und Jeff Wall.

Vier in Deutschland tätige visionäre Architekten werden in den zwischen Halle 2 und 3 gelegenen Kabinetten vorgestellt: Bruno Taut und Wenzel Hablik mit ihren Entwürfen für Kristall- und Kuppelbauten aus der Aufbruchszeit der Moderne sowie Frei Otto und Ludwig Leo, die in der zweiten Jahrhunderthälfte auf unterschiedliche Weise Funktionalität und Bildhaftigkeit in der Architektur verbanden. Mit diesem Exkurs wird beispielhaft auf die Bedeutung der visionären Architektur für den Dialog zwischen Kunst und Architektur im Laufe des 20. Jahrhunderts verwiesen.

Kuratiert von Gabriele Knapstein