Archiv / 2007

Ausstellung
There is Never a Stop and never a Finish. In memoriam Jason Rhoades 

05. Mai 2007 - 19. August 2007, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)

Im Gedenken an den jüngst verstorbenen amerikanischen Künstler Jason Rhoades, der in der Friedrich Christian Flick Collection mit einem großen Werkkonvolut vertreten ist, widmet sich diese Ausstellung in den Rieckhallen dem Thema Trash in der bildenden Kunst seit den 1960er Jahren. Neben Werken von Jason Rhoades werden Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotografien und grafische Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die auf unterschiedliche Weise mit Trash-Materialien oder trashigen Bildwelten arbeiten.
 

Das als Abfall und Plastikmüll Ausgesonderte und Wertlose wird in den Materialanhäufungen von Dieter Roth, Daniel Spoerri, Isa Genzken und Jason Rhoades kunstwürdig. Otto Mühl und Paul McCarthy konfrontieren den Betrachter in ihren Materialaktionen mit "unreinen" Bildern, die Abwehrreaktionen und Ekel hervorrufen. Zu den zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, die sich heute mit den populärkulturellen Bildwelten von Comics, Videospielen, Science Fiction, Fantasy oder Film noir auseinandersetzen, gehören Raymond Pettibon und Andreas Hofer. Eine trashige Malweise und beißende Ironie führen Martin Kippenberger und Albert Oehlen gegen hohles Pathos und "regressive" Expressivität ins Feld.
Sie alle bewegen sich mit ihren Werken im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Formgebung und Formauflösung und berühren dabei die Frage nach Vergänglichkeit und Überleben von Zivilisation.

Zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Zeitschrift "Museum für Gegenwart".

Ausstellung
Roman Signer – Werke aus der Friedrich Christian Flick Collection im
Hamburger Bahnhof und Leihgaben

30. September 2007 - 27. Januar 2008, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)

Die dritte Einzelausstellung aus der Friedrich Christian Flick Collection widmet sich dem schweizer Künstler Roman Signer.

Seit den frühen 1970er Jahren führt der in der Schweiz lebende Künstler Aktionen durch, in denen alltägliche Gegenstände wie Tische, Fässer, Ballone, Fahrräder oder Kajaks zum Einsatz kommen. In präzise vorbereiteten Anordnungen treffen sie auf die Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer. So hat Signer im Laufe der Jahre ein vielfältiges Oeuvre von "Zeitskulpturen" geschaffen, die er mittels Zeichnungen konzipiert und in Form von Fotografien, Super-8-Filmen, Videos und Objekten überliefert. Neben zahlreichen Objekten, Zeichnungen, Fotografien und Filmen bildet die Dokumentation seiner Aktion mit dem künstlichen Vulkan im Landschaftspark von Wörlitz im Sommer 2007 einen Teil der Ausstellung in den Rieckhallen.

Parallel zur monographischen Ausstellung von Roman Signer sind in den Rieckhallen Werke u. a. von Künstlern der amerikanischen Westküste wie Paul McCarthy, Mike Kelley, Raymond Pettibon und Jason Rhoades aus der Friedrich Christian Flick Collection zu sehen.

Ausstellung
Jenseits des Kinos – Die Kunst der Projektion. Filme, Videos und Installationen von 1963 bis 2005

29. September 2006 - 25. Februar 2007, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)


"Das Kino ist tot! Es lebe der Film!" hat der schottische Videokünstler Douglas Gordon einmal gesagt. Was das heißen kann und welche überraschenden Inszenierungen dabei entstehen, wenn Künstler das bewegte Bild jenseits unserer vom Kinoerlebnis geprägten Vorstellungen einsetzen, ist das Thema einer großen Ausstellung in den Rieckhallen im Hamburger Bahnhof . Gezeigt werden 27 Schlüsselwerke der Projektionskunst von 1963 bis heute, bei denen jeweils deutlich wird, wie sehr diese Kunst - im Gegensatz zur Projektion im Kino - räumlich angelegt ist: Videos und Filme erscheinen verkleinert oder vergrößert auf frei hängenden Leinwänden, werden als Mehrfachprojektionen nebeneinander geworfen, überlagern sich in aufwändigen Installationen oder werden gar zu komplexen, begehbaren Filmräumen. 

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Ausgangspunkt der Ausstellung sind die großen Film- und Videoinstallationen der 1990er Jahre, die Projektionen der Schweizerin Pipilotti Rist, die existentiellen Körperbilder von Bruce Nauman, die psychologisch aufgeladenen Filmräume der Finnin Eija-Liisa Ahtila oder die stark konzeptuell angelegten Installationen des Kanadiers Rodney Graham. Dabei greifen diese zeitgenössischen Arbeiten der Friedrich Christian Flick Collection künstlerische Ideen des projizierten Bildes auf, die sich bereits in den 1960er Jahren entwickelt haben. Richtungsweisende Arbeiten wie die Filme von Marcel Broodthaers, von Dan Graham oder  Valie Export sind im Dialog mit den zeitgenössischen Arbeiten zu sehen. Anhand von sechs großen thematischen Kapiteln − wie  "Trugbilder", "Köperansichten" oder "Fundus Kino" − umreisst die Ausstellung, welche Bedeutung die Kunst der Projektion jenseits des Kinos erreicht hat. Sie zeigt außerdem, welche Inhalte, Techniken und konzeptuelle Ideen diese mediale Kunstform bis heute geprägt haben. Letztlich ist die Kunst der Projektion eine Schule der Wahrnehmung und bietet außergewöhnliche Erfahrungen von lichtbildnerischen Effekten wie Licht, Schatten, Bewegung, Sound, Reflexion.

Parallel zur Ausstellung finden Filmvorführungen im Kino Arsenal und ein wissenschaftliches Symposium statt.

Roman Signer

Collector's Choice. Künstlermonographien aus der Friedrich Christian Flick Collection. Band 7
ISBN 978-3832177195

Signers Werkstoffe sind Wasser, Feuer, Erde und Luft – als Elemente, die »in die Gestaltung des Werkes eingreifen und es vollenden« (Roman Signer). Die vier Jahrzehnte umspannende, viel bewunderte Kunstpraxis von Roman Signer (*1938) hat ihm den Ruf eines »Künstler- Künstlers« eingebracht. 

Dennoch erzielen seine fein abgestimmten, trügerisch einfachen »Zeitskulpturen« eine ungewöhnliche Breitenwirkung: Kinder wie Philosophen, Kunstexperten und Laien, Kunstliebhaber und Kunstskeptiker sind gleichermaßen fasziniert von der explosiven Mischung aus visueller Schönheit, beweglicher Poesie, treffsicherem Humor und konzeptueller Resonanz.
Rachel Withers analysiert Roman Signers Zeitskulpturen aus verschiedenen Perspektiven. Ausgehend von Bergson, Bachelard und anderen, untersucht sie einige Schlüsselfragen der Zeitphilosophie und erprobt deren Konsequenzen für unser Verständnis von Signers Werk. Sie setzt die Zeitskulptur in Beziehung zur »Zeitrevolution«, die unser Kunstverständnis im späten 20. Jahrhundert verändert hat, und bezieht Signers anhaltende Faszination durch die Umwelt auf aktuelle ökologische Debatten über die Zeitlichkeit der Natur. Schließlich nimmt sie Signers Sinn für Humor in den Blick und die Rolle, die dieser für unsere Reaktion auf sein Werk spielt.
 

There is never a Stop
and never a Finish

In memoriam Jason Rhoades

Begleitpublikation zur Ausstellung. Aus der Reihe "Museum für Gegenwart". Band 8
ISBN 978-3832190064

Mit Beiträgen von Eugen Blume, Gabriele Knapstein, Joachim Jäger, Melanie Franke, Roberto Orth u.a.